Ein neues Dach für ein alte Schloss - Gesamtsanierung in Hüttwilen
Die Werterhaltung historischer Bausubstanz ist für Beteiligte in der Regel sehr anspruchsvoll. Das in Hüttwilen stehende Schloss bekam ein neues Dach.
Das Schloss Steinegg wird im Jahr 848 erstmals urkundlich erwähnt und seine historische Bausubstang geht mindestens auf das vierzehnte Jahrhundert zurück. Ab 1901 diente der Bau als Kurhaus und Hotel. 2006 wurde der Hotelbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt und das Schloss an private Eigentümer verkauft. In der Folge kam es zu archäologischen und denkmalpflegerisch begleiteten Renovationen.
Aufgrund der handwerklich hohen Ansprüche, insbesondere auch in spenglertechnischer Hinsicht, kam für die Bauherrschaft und die Verantwortlichen zur Neueindeckung nur ein anerkannter Fachbetrieb in Frage. Die SC Haller AG beschäftigt sich schon seit Jahrzenten mit Dacheindeckungen aller Art und in diesem Rahmen auch traditionell mit Spenglereihandwerk und dem Blitzschutz. In der langen Betriebsgeschichte war die Erneuerung des Schlossdaches, damals etwas Spezielles und nicht Alltägliches.
Erneuerungsmassnahmen
Die Erneuerung des etwa sechzig Grad steilen Schlossdaches war vor allem wegen lokalen Undichtheiten und Rost unumgänglich und dringlich geworden. Der Dachaufbau bestnad aus Sparrenlage, einer Zwischensparrendämmung (Cellulose), einer Brettschalung und einer stark abgenutzen Faserzementeindeckung. Letzere wurde entfernt und die schadhaften Stellen in der Brettschalung ersetzt. Die funktionstüchtige Zwischensparrendämmung blieb. Über der bestehenden Brettschalung wurde der Dachaufbau schliesslich neu mit Unterdachbahn, Lattung, Konterlattung und Eindeckung ergänzt.
Vorgesehen war ursprünglich eine Neueindeckung mit Naturschiefer. Ihr Gewicht erachtete man aber als zu hoch und entschied sich deshalb für eine leichtere Variante mit Faserzement (Doppeldeckung 40/30 cm). Das neue Dach umfasst zudem weniger und anders angeordnete Dachgauben, was der historisch bestätigter Architektur des Dachs genauer entspricht. Daneben wurde der Dachbereich mit einem lukarnenförmigen Liftaufbau besetzt und auch der Blitzschutz sowie die Dachentwässerung erneuert.
Herausforderungen
Es zeigte sich, dass das ganze Schlossdach nicht im Blei war. Die Sparrenlängen und damit die Dachneigung waren oft unterschiedlich. Dies bedingte einen entsprechenden Ausgleich in der Eindeckung, der - hier versteckt und vom Terrain aus nicht sichtbar - mit horizontalen Blecheinlagen bewerkstelligt wurde. Was für Betrachter von unten her ebenfalls nicht ersichtlich ist, sind die zahlreichen handwerklich hochanspruchsvollen und aufwändigen Blecharbeiten mit Kupfer. Dazu gehören beispielsweise die An- und Abschlüsse an das Sandstein-Mauerwerk und die Einkleidung der Gauben. Jeder Anschluss, jede Gaube (11 Stück mit je 54 Einzelteilen) musste am Objekt zuerst genau vermessen, die erforderlichen Bleche und Blechteile werkstattseitig oder industriell vorfabriziert und an Ort schliesslich präzis eingebaut beziehungsweise gefalzt, gelötet, gehaftet oder genietet werden.
Die gestalterische Neueinkleidung der Gauben (Ornamente, Ränder und Dekorationen) erfolgte anhand eines vorgegebenen Holzmodells. Oft viel abverlangt hat den Ausführenden auch das Wetter, weil die Renovierungsarbeiten auch in der Winterzeit erfolgte. Dazu kam die steile Dachneigung.
Gelungene Renovation
Das 650 Quadratmeter grosse Schlossdach sieht jetzt wieder wie neu aus. Neben diversen anderen Eindeckungsmaterialien sind auch rund 16'000 Schieferhaken und zweieinhalb Tonnen Kupfer im Dach eingebaut. Das eindrückliche Resultat aller Anstrengungen zeigt sich in einer präzisen Ausführung bis ins Detail, die dank hervorragendem Einsatz der Dachdecker und Spengler möglich war.








